Art is now (Eva Scharrer)

Das Spaceship-Ausstellungskonzept ›Showroom 1‹ ist erstmals gelandet. Und zwar im Hof der Bollag Ateliergemeinschaft, wo zwölf junge KünstlerInnen aus Basel, Berlin, Genf, Hamburg und Leipzig eine Woche Installationen zeigen, inklusive eines Videoabends, der vom Kunstsalon ›amberg&marti‹, Zürich organisiert wird. Zusätzlich sind der Ausstellungsraum ›K26‹ aus Leipzig, ›Marks Blond Project‹ aus Bern und ›Planet22‹ aus Genf eingeladen, KünstlerInnen in Basel zu präsentieren. Das Konzept des mobilen, ortsungebundenen Showrooms geht zurück auf die Initiative zweier Künstler, Egija Inzule und Tobias Kaspar-Sessler, die ihr Netzwerk aus verschiedenen Plattformen für zeitgenössische Kunst dazu nutzen, dem Dilemma des meist räumlich beengten non-profit + artist-run Konzepts zumindest zeitweilig zu entkommen.

Der Basler Initiator Tobias Kasper-Sessler, der in Hamburg studiert, betont die Funktion des lokalen Networkings und des generellen Interesses am Raum, das die Künstler des Pilotprojekts mitbringen. Die Openair-Ausstellungssituation im Hof eines Ateliergebäudes bedingt gleichzeitig auch den ephemeren, provisorischen Charakter der gezeigten Arbeiten. ›Is is and isn’t isn’t‹ – die lakonisch-poetische Aussage wurde mit Pappbechern in einen verbeulten Maschendrahtzaun geschrieben (von Peter Stoffel und Solvey D. Anderson, Genf). Danach läuft man über ›Industrieschnee‹ von Christian Müller (Basel) – eine Bodeninstallation aus ehemals weißen Kopierblättern, die sich zum Zeitpunkt ihres Entstehens bereits ihrer Vergänglichkeit bewusst ist. Carl Andre lässt grüssen, doch anders als dessen Bodenskulpturen aus Stahlplatten überstehen die Blätter das Betretenwerden auf Dauer nicht. Und wie der liegengebliebene Schnee auf den Straßen, so verwandelt sich die Skulptur von einer weißen Fläche in ein schmutziges Nichts.

Ephemere Situation mit Baustellencharakter Der Rest des Hofes hat etwas von einer Baustelle, auf der noch gearbeitet wird. Auf einem Hügel Erde sind allerlei Objekte – Kugeln, Blumentöpfe, fragile Konstruktionen aus Dachlatten, Werkzeuge und ein Kübel mit Kakteen – zu einer eigenwilligen Gartenarchitektur arrangiert (›Ohne Titel‹ von Alexander Hempel und Hans C. Lotz, Leipzig). Die Baslerin Dagmar Heppner hat eine Ecke aus Gasbetonstein gebaut und sie außenseitig mit schwarzer Teerfarbe verkleidet. Von Tilmann Terbuyken (Hamburg) stammt ein ›Splitter‹ aus irisierend bemalten Spanplatten und von Karin Hueber (Basel) eine fächerartige Skulptur aus demselben Material. Dominique Koch (Basel) zeigt drei Leuchtkästen in schwarzen Boxen mit Scharniertüren. Beim Öffnen findet sich der Betrachter als Voyeur mit dem Einblick in einen privaten Wohnraum konfrontiert, hinter dessen halbgeschlossener Tür wird so etwa ein Fuß sichtbar.

Die Problematik des Ortes auf den Punkt bringen Nino Baumgartner und Annina Matter aus Ben mit ihrer Schriftinstallation ›Art is Now‹ auf dem Dach des Bollag Gebäudes, hinter dem - was sich allerdings erst aus der Distanz betrachtet erschließt - der ›Novartis‹ Schriftzug in den gleichen Lettern wie ein Schatten prangt. Dass das Viertel mitsamt Atelierhaus schon bald der Gigantomanie des Pharmakonzerns weichen muss, der auf dem Areal eine firmeneigene ›Novartis City‹ plant, ist längst kein Geheimnis mehr. Deswegen muss die Kunst auch jetzt passieren. Showroom aber wird es weiterhin geben, an verschiedenen Orten. Das Konzept ist frei.

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Regioartline

16.06.2006