Edition et 15.05.2008 / Marks Blond Project, Bern
Der Umschlag wird geöffnet, die Blätter ausgewählt, an der Wand befestigt, auch mittels Wechselrahmen, und eine Party organisiert. Mit Cocktails und Elektromusik entsteht eine dandyhafte Veranstaltung, in der jeder und jede zum Teil, zur Pose eines bestimmten Spiels wird. Und dies auf Grund eines Manifestes von 1967, in dem geschrieben steht, dass in den eigenen vier Wänden wilde Partys und Ausstellungen zu veranstalten sind. Gegeben sind 23cmx23cm grosse Off-Set-Editionen, also maschinell hergestellte Bilder, in denen sich der Kunstsinn des Zeitalters, der technischen Reproduzierbarkeit durch einen Gesamtkonzept, eine Ethik, ein Spiel manifestiert. Denn was der Herausgeber dieser Editionen-Sammlung von dem Besitzer der Editionen verlangt ist, neben der Utopie, wesentlicher Teil von dieser einer der ersten Off-Set-Editionen Ausgabe. Rochus Kowallek will die Massenverbreitung und den Massenkonsum. Kunst soll zu einer Plage werden und die Feste und Ausstellungen, die durch den Besitz der Editionen-Sammlung entstehen, sollen die ganze Stadt einnehmen, verseuchen, infizieren, verderben? ...der Hauptbesitzer, Nachbar und Untermieter...In einer Stadt mit 300 000 Einwohnern z.B. werden in einem Monat ca. 60 000 Ausstellungen aktueller Kunst stattfinden. Und 60 000 Partys... Nun damals. Aus heutiger Sicht sind es Publikationen von Künstlern und Künstlerinnen der jüngeren Kunstgeschichte. Die Künstlerinnen und Künstler wurden eingeladen Arbeiten zu entwickeln, die die Produktionsbedingungen der Ausgabe beachten und diese in Form und Inhalt miteinbeziehen und reflektieren. Für diese Kunstparty wurden Arbeiten zusammengestellt, die vor allem die Möglichkeiten und Prozesse maschinell herstellbarer Formen aufzeigen und verdeutlichen. So wurde zum Beispiel bei der Herstellung der Arbeit von J.M. Krauße scheinbar ein Programm 0.4 aus dem Jahr 1966 verwendet, welches wohl POETOR genannt wurde und das ermöglichte die Zeichensysteme eines maschinell hergestellten Textes freizulegen. Oder eine ganz minimalistisch geprägte Arbeit von Sara Quand, in der ein Würfel, welcher in zwölf Segmente zerteilt auf der diagonalen Achse durch Drehungen und dem Austauschen einzelner Segmente seine Ursprungsform aufgibt. Allein 467 001 600 Permutationen lassen sich durch die Austauschbarkeit der zwölf Segmente erreichen, gibt Sara Quand im Titel der Arbeit an. Es werden zwar vier mögliche Permutationen illustrativ dargestellt, schlussendlich ist die Arbeit aber konzeptionell verortbar, nämlich in dem Reiz möglichst viele Permutationen durchdenken zu wollen. Allgemein gibt es drei Ausgaben von edition et, die Nummern 4, 2 und 14. Zusammen beinhalten sie über 100 Editionen heute bekannter, weniger bekannter oder völlig unbekannter Künstler und Künstlerinnen. Die Kombinationsmöglichkeiten dieser Editionen führen ins Unendliche. Also bis die Stadt mit 300 000 Einwohnern von den Arbeiten genug gesehen hat, könnte es noch eine Weile dauern. Das Wichtige ist aber, dass die Pose mit der die Arbeiten präsentiert werden, der ganze Kontext, schlussendlich eine Installation, ein Happening, so konstruiert ist, so naiv ist, dass es fast in das Absurde führt. Das Naive einer konstruierten Situation geniessen, ist vielleicht das purste Geniessen, da es keine Verpflichtungen evoziert. Nachdem die Cocktails ausgetrunken sind, die letzten Beats der Elektromusik verstummt, kann alles vergessen werden. Damit es x-mal wiederholt und wiederholt genossen werden kann. Es verschwindet das Konstrukt, das Manifest, das Spiel ist aus. Und doch kreiert. Art in!
Artists whose editions were being shown
Hermann Bartels, Kilian Breier, Ludwig Gosewitz, Utz Kapmann, J.M. Krauße, Wolfgang Ludwig, Sara Quand, Erich Reusch, S.D. Sauerbier, Wolfgang Schmidt, Göta Tellesch

